
Nicht zu Unrecht wird Schirgiswalde, in der südlichen Oberlausitz, nahe der tschechischen Grenze gelegen, als „Krippenstadt“ bezeichnet. In der Weihnachtszeit gehört das Aufstellen einer Krippe zum schönen Brauch in den Familien.
Bekannt wurde Schirgiswalde vor allem wegen der Vielzahl von Krippen der nordböhmischen Tradition, die sich hier erhalten haben. Im Gegensatz zum erzgebirgischen Weihnachtsberg zeigen die traditionellen Schirgiswalder Krippen das Weihnachtsgeschehen in einer orientalischen Landschaft. Vorbilder dieses Krippenstils waren Bibelillustrationen der sogenannten „Nazarener“ aus dem 19. Jahrhundert (Führich, Schnorr von Carolsfeld u.a.).
Die Krippentradition in Schirgiswalde ist in der jahrhundertelangen Zugehörigkeit des Städtchens als Enklave zu Böhmen begründet. Erst 1845 wurde Schirgiswalde sächsisch und es bleiben auch in der Folge noch enge familiäre und konfessionelle Bindungen zu Böhmen bestehen, so dass die Krippenbegeisterung des Gebietes um Schluckenau, des sogenannten „Nordböhmischen Niederlandes“, auf Schirgiswalde ausstrahlte. Hier überlebte sie auch die Kriegs- und Nachkriegszeit, in der durch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung die meisten Krippen im nördlichsten Böhmen verschwanden.
Schluckenau (heute Šluknov) und Umgebung entwickelten sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Zentrum der Krippenschnitzerei und des Krippenbaus. Die Ursprünge sind in Südtiroler Schnitzern zu sehen, die Anfang des 19. Jahrhunderts Figuren aus Zirbelholz nach Schluckenau brachten. Bald hatten Einheimische die Kunst des Schnitzens erlernt, und ihre Figuren standen den alpenländischen Vorbildern kaum nach.
Nun beginnt die lange Reihe nordböhmischer Krippenschnitzer und -bauer, die aus den Rehen der Leineweber, Handwerker oder Waldarbeiter stammten. Von diesen bezogen auch die Schirgiswalder ihre Krippenfiguren. Von vielen, einst berühmten Schnitzern (Josef May, Anton Wendler, Franz Rosche, Franz Herbrich) sind nicht nur einzelne, kunstvoll geschnitzte Figuren vorhanden, sondern ganze Krippen.
Aber Schirgiswalde brachte auch eigene Schnitzer hervor, z. B. Franz Schicht und Josef Thomas. Der Sohn und der Neffe von Josef Thomas setzten heute selbst als Schnitzer die Familientradition fort.
Auf der typischen Schirgiswalder Weihnachtskrippe wird mit Moos oder gefärbten Sägespänen einen orientalische Landschaft gestaltet, die mit geschnitzten und farbig gefassten Figuren bestückt ist. Abgeschlossen wird der Aufbau mit einem Hintergrundgemälde, welches Landschaft genannt wird. Somit soll der möglichst „perfekte“ Eindruck der palästinensischen Gegend um Bethlehem zur Zeit der Geburt Jesu entstehen. Der Betrachter soll sich gleichsam in das Geschehen von Jesu Geburt hineinversetzt fühlen.
Schon im Advent beginnt man mit dem Aufbau der Miniaturlandschaft, damit zum Weihnachtsfest alles fertig ist. Nach Möglichkeit soll die Krippe jedes Jahr ein wenig anders aussehen. Natürlich stellen viele Familien heute, schon aus Platzgründen, auch kleinere, moderne Krippen in ihrer Weihnachtsstube auf.
Den besten Eindruck von der Fülle der Krippen in Schirgiswalde vermittelt die seit 1985 alle zwei Jahre am 2. Adventswochenende stattfindende Krippenausstellung. Mehr als 100 Krippen präsentieren sich dem Besucher im Elisabethsaal nahe der katholischen Kirche und zeigen die Liebe der Einheimischen zur Krippenkunst. Darunter sind natürlich nicht nur traditionelle große Krippenbauten, sondern auch neuzeitliche Krippen aus unterschiedlichsten Materialien und Krippendarstellungen anderer Völker.
Auch in der Zeit von Weihnachten bis Ende Januar kann man zum „Krippenschauen“ nach Schirgiswalde kommen. Nach Anmeldung beim Krippenverein ist ein Besuch in mancher Krippenstube möglich. Eine neue Krippe erhielt zu Weihnachten 1999 auch die katholische Pfarrkirche.
Schließlich besteht ganzjährig die Möglichkeit, Schirgiswalder Krippenkunst in einer neu gestalteten umfangreichen Ausstellung im Heimatmuseum kennen zu lernen.
Die Pflege der Krippentradition hat sich der 1991 gegründete „Krippenverein Schirgiswalde und Umgebung e. V.“ zur Aufgabe gemacht. Dem Verein gehören Krippenfreunde aller Altersstufen und beider christlicher Konfessionen an. Besonderes Ziel ist die Erhaltung, Weitergabe und Förderung des Krippenbaus in den Familien. Dabei hofft der Verein vor allem auf die Weitergabe der Tradition im Krippenbau an die junge Generation.
Diesem Ziel dient ein parallel zur Krippenausstellung veranstalteter Krippenbauwettbewerb für Kinder.
Gern zeigen Ihnen die Vereinsmitglieder die Schätze Schirgiswalder Krippenkunst und hoffen, damit die Freude an der Geburt des göttlichen Erlösers auch an Sie weitergeben zu können.
Kontakt:
Krippenverein Schirgiswalde und Umgebung e. V.
Sohlander Straße 21
02681 Schirgiswalde
Telefon: 03592 / 32333
Mail: krippenverein-schirgiswalde@web.de




