Pestprozession in Schirgiswalde
Während in den sorbischen Gemeinden am Ostersonntag die Osterreiter die Botschaft der Auferstehung Jesu von Ort zu Ort tragen, zieht seit 1632 in Schirgiswalde alljährlich, in heutiger Zeit am Ostermontag, die Pestprozession von der Kreuzkapelle zum Pestgrab nach Neuschirgiswalde.
Pfarrer Anton Mott schrieb in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in einem Artikel für das St.-Benno-Blatt:
„Was die Pfarrchronik nicht mehr berichtet, das weiß die lebendige Überlieferung von Geschlecht zu Geschlecht zu erzählen.
Als zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges die Pest, genannt „Der schwarze Tod“ auch Schirgiswalde heimsuchte, raffte die Seuche in kurzer Zeit den größten Teil der Einwohner weg. Die Leichen schaffte man des Nachts über den Fuchsberg in eine Waldlichtung am Hahn, wo eine große Grube ausgehoben war, in die man sie hineinlegte und dann mit Kalk überschüttete. Heute liegt dort Neuschirgiswalde, und an der Stelle, wo man die Toten begrub, steht nahe dem Gasthaus „Zur frischen Quelle“ ein eingefriedetes Kreuz.
Zu diesem Kreuz zieht alljährlich am Ostersonntag nach dem Nachmittagsgottesdienst die Pestprozession auf Grund eines Gelöbnisses, auf das hin damals die Pest erlosch. Nur ein einziger Musikant war noch am Leben, der die Prozession begleitete und die Liedmelodien auf der Klarinette vorspielte. So wird es noch heute gehalten.“
Der ehemalige Pfarrchronist Benno Töppel schrieb in seinem Buch „Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Schirgiswalde“:
„Schon seit Jahren erinnert ein Wegweiser auf dem Obermarkt, der einen Klarinettenbläser darstellt, an diesen religiösen Brauch. Jener Mann, der dem Schnitzer als Modell dafür gedient hatte, ist am letzten Tag des zweiten Weltkrieges, dem 8. Mai 1945, im Alter von 86 Jahren durch eine Gewehrkugel tödlich getroffen worden.“
Trug die Prozession einige Zeit den Charakter einer Bittprozession, so steht nun wieder das Osterlob im Mittelpunkt, was durch den glorreichen Rosenkranz sowie entsprechende Gebete und Gesänge zum Ausdruck kommt.
Seit einigen Jahren wird sie von den Schirgiswalder Bläsern musikalisch begleitet.

