Perspektivwechsel
Perspektivwechsel
„Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben. (Sacharja 12,10)
Ich möchte Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu einer Bildbetrachtung einladen.
Das Bild stellt den vorletzten Blick Jesu dar, gemalt von Sieger Köder für den Kreuzweg in Bensberg. Eine ganz andere Perspektive öffnet sich uns.
„Und sie kreuzigten ihn.“ (Lukas 23), am unteren Bildrand sehen wir den römischen Soldat, der in seine Arbeit vertieft weit zum Schlag ausholt. Wie viele Schläge müssen es noch sein, bis der Nagel tief genug sitzt. Wir sehen sein Gesicht nicht, dadurch bleiben uns seine Gesichtszüge verborgen.
Erinnern wir uns, „es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde.“ (Lukas 23,44)
Die Sonne erscheint uns wie ein schwarzes Loch.
Wie ein Kranz umgeben sie die Gesichter der Menschen, die auf ihn schauen.
Der Prophet Sacharja sah es bereits in seinen Visionen. Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben. In diesem Bild erscheinen diese Menschen nicht als Statisten, sie scheinen mitzuwirken an der Arbeit des Römers.
Versetzen wir uns hinein:
Jesus liegt auf dem Holz des Kreuzes, jeder Schlag bedeutet Schmerz, Ohnmacht, das nahe Ende. Um ihn herum Menschen: Fremde, Neugierige, Gesetzestreue, Juden wie er, ihm Vertraute, Mitleidende -
was erkennen Sie noch, liebe Leserinnen und Leser!
Jesus trägt unser Kreuz, unsere alltäglichen Lasten mit!
Kennen Sie das: „wie angenagelt sein!“
Was nimmt uns nicht alles die Bewegungsfreiheit: Krankheit, Behinderung, unausweichliche familiäre und berufliche Belastungen, die Einstellungen anderer Menschen zu uns. Auch wir sind in unserem Leiden Blicken anderer ausgesetzt, neugierigen, mitleidenden, vertrauten, … Blicken anderer, unsere Nachbarn, Kollegen, Verwandten…
Meine lieben Leserinnen und Leser,
vielleicht sind Ihnen Gefühle in Erinnerung gekommen. Unsere Gefühle sind Jesus vertraut. Sie sind unsere Verbindung mit IHM. Im Tiefsten, im Letzten, auch im unwürdigsten Moment unseres Lebens sind wir nicht allein, denn ER – Jesus – geht diesen Weg mit uns! Er geht diesen Weg von dem Moment der sich verfinsternden Sonne bis zur Auferstehung. Vertrauen wir darauf und beten wir mit IHM:
Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen: Frohe Ostern!





