Oberflächlichkeit
Oberflächlichkeit
Der Obstbaum, der kein Obst bringt wird unfruchtbar gescholten.
Wer untersucht den Boden?
Der Ast, der zusammenbricht wird faul gescholten,
aber hat nicht Schnee auf ihm gelegen?
Bertholt Brecht
Der Monat August verheißt die ersten Äpfel. Die Ernte der Beeren und vieler Gemüsesorten ist bereits voll im Gange, die Äcker stehen in Reife.
Doch die Nachrichten verheißen nichts Gutes: die Kartoffeln sind dieses Jahr zu klein, das Getreide ist mager. Kein gutes Jahr für die Bauern, und somit auch für uns Konsumenten, die wir es im Supermarkt an den Preisen spüren werden.
Oftmals betrachten wir die Sachlage dann sehr oberflächlich und ärgern uns über die Mehrausgaben.
Oberflächlichkeit – Unfruchtbarkeit – Faulheit: diese drei Begriffe sind in den kurzen Versen Bertholt Brechts ganz eng miteinander verbunden. Denn oberflächlich betrachtet ist ein Obstbaum, der nichts trägt einfach unfruchtbar. Doch was ist, wenn es gar nicht am Baum liegt, wenn der Boden zu mager ist oder die Wurzeln beschädigt wurden?! Ein Ast bricht – doch auch ein junger Ast kann unter Schneemassen aufgeben!
Wenn wir Menschen beobachten, dann hat man manchmal schnell den Eindruck:
der ist aber erfolglos, die ist einfach nur faul!
Manchmal muss man dabei tiefer nachdenken oder anfragen, worin die Ursachen liegen. Wie oft fehlt uns selbst die Motivation! Ich selbst erwische mich manches Mal dabei und schaffe es dann nur mit Disziplin. Und es braucht oft nur so wenig, um bei einem Menschen die Motivation, die Neugierde zu wecken, durch freundliche Worte, erlebte Gemeinschaft, erfahrene Anerkennung.
Sind wir bereit, dieses den Menschen in unserem Umfeld zu schenken? Ist man mit Tadel nicht viel schneller zur Hand?
In der Bibel berichtet das Lukasevangelium, wie Jesus seine Jünger ermuntert, Ursachen und Chancen für Versagen zu suchen:
Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine.
Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.
Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.
Liebe Leserinnen und Leser, vor allem auch liebe Schulkinder!
Ich möchte sie ermutigen, tiefer zu blicken, um Ursachen für Versagen heraus zu finden. Und ich möchte sie ermutigen, nicht zu verzagen! Sich selbst aufzuraffen kostet Kraft. Leichter ist es, wenn man ein Ziel vor den Augen hat. Welches Ziel haben sie vor den Augen: in dieser Woche, für den heutigen Tag?
Schreiben sie es sich ruhig auf!
Viel Erfolg wünscht Ihnen – Jacqueline Fiswick





