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Liebst du mich

Rabbi Mosche Löb erzählte: Wie man Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern gelernt. Der saß mit anderen Bauern in einer Schenke und trank. Lange schwieg er, wie die anderen alle. Als aber sein Herz vom Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: „Sag du, liebst du mich, oder liebst du mich nicht?“ Jener antwortete: „Ich liebe dich sehr.“
Er aber sprach wieder: „Du sagst: Ich liebe dich und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, so würdest du es wissen.“
Der andere vermochte kein Wort zu erwidern, und auch der Bauer, der gefragt hatte, schwieg wie vorher.
Ich aber verstand: Das ist die Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfnis zu spüren und ihr Leid zu tragen. (Martin Buber)

Jeder von uns sehnt sich zutiefst nach der Liebe.
Wir wurden von Gott, der die Liebe ist, in einem Akt der Liebe ins Leben hinein geliebt. Und so ist die Liebe zutiefst mit unserem Lebens-Sinn verknüpft. Das Bedürfnis zu lieben und geliebt zu werden füllt uns aus.
Aus diesem Bedürfnis heraus fragt der Bauer (und man beachte, dass er sich erst mit Hilfe des Weines öffnen konnte, so tief hatte er dieses Urbedürfnis schon in sich verschlossen!) – Liebst du mich?
Könnte nicht jeder unserer Nachbarn uns fragen: Liebst du mich?
Sie kennen die Schriftregel: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst!
Und so müssen wir uns fragen lassen – Liebst du mich?
Jesus fragt mich, fragt Sie, lieber Leser, liebe Leserin: Liebst du mich?

Schnell sind die Worte gesprochen: Ich liebe dich!
Und die Antwort des Bauern lautet: … du weißt doch nicht, was mir fehlt.
Liebe hat also etwas mit Wahrnehmung zu tun, mit Sich-Berühren –Lassen vom Befinden des anderen.
Ich beobachte bei mir, dass man von Zeit zu Zeit mit den eigenen Problemkreisen so beschäftigt ist, dass der Blick, die Wahrnehmung für meinen Nachbarn, meinen Nächsten, gar nicht mehr einfach ist. Doch vielleicht relativieren sich ja die eigenen Probleme, wenn ich mich für meinen Nächsten öffne, wenn ich den Menschen um mich herum nicht nur mit offenen Augen, sondern mit offenem Herzen begegne.

Lieber Leser, liebe Leserin, ich möchte Sie im kommenden Monat einladen, ihr Herz auf Händen zu tragen. Vielleicht fragen sie ein Mal direkt oder für sich selbst: Liebst du mich? – Nicht als Phrase, sondern mit aller Offenheit und lassen Sie sich auch von Jesus selbst fragen: Liebst du mich?
Ich wünsche Ihnen frohen Mut, diesen Schritt auf Ihre Mitmenschen hin zu tun!

Ihre Gemeindereferentin
Jacqueline Fiswick