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Lieben wie dich selbst

Lieben wie dich selbst

Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“
Jesus sagte zu ihm: „Was steht im Gesetz? Was liest du dort?“
Er antortete: „ Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herrn und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken. Und deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.“
Jesus sage zu ihm: „Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben.“
(Lukas 10,25-28)

Der Schwerpunkt der Schriftauslegung wurde in der traditionellen Auslegung meist auf die Nächstenliebe gelegt. Ich möchte Ihren Blick weiten!

Ende November habe ich Kirschbaumzweige in eine Vase gestellt, damit sie Knospen treiben und blühen. Unsere Kirche St. Barabara sollte in der Weihnachtszeit mit Barabarazweigen geschmückt sein.
Leider warteten wir in unserer Gemeinde vergebens!
Ich nahm gegen Ende der Weihnachtszeit die Zweige aus der Kirche. Bei ihrer Betrachtung wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben. Ich stellte sie an einen helleren Ort und beschloss zu warten. Täglich kam ich nun an ihnen vorbei und wartete. Vor einigen Wochen stellte ich nun fest, dass die Knospen merklich dicker geworden waren, sollte sich das Warten tatsächlich gelohnt haben? Waren die Blüten nach den langen Wochen noch nicht verdorrt?
Nein, sie waren es nicht. Nach nunmehr 13 Wochen sind die Kirschzweige erblüht, in all ihrer Schönheit künden sie von der Schöpferkraft und gleichzeitig der Vergänglichkeit. Mehr jedoch erzählen sie mir nun jeden Tag, dass es sich lohnt zu hoffen, auch wenn es scheint, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Es ist ganz einfach – Hoffen!

Ebenso einfach ist die Botschaft der Heiligen Schrift: Liebe Gott, liebe den Nächsten und liebe dich selbst.
Nehmen wir das scheinbar einfachste zuerst – liebe dich selbst!
Einfacher gesagt als getan. In meiner Arbeit mit den Schülern fiel mir auf, dass es den Schülern leichter fällt, fünf negative Eigenschaften aufzuzählen als positive. Versuchen Sie es einmal! Wir sind geschult unsere Fehler zu erkennen. Sollen wir uns dafür lieben?!
Sich selbst anzunehmen, mit allem wenn und aber. Denn Gott liebt uns, jeden von uns, mit all unseren Fehlern! Die Liebe zu uns selbst ermöglicht uns geradezu erst, unsere Fehler offenherzig zu erkennen, anzunehmen und zu verbessern. Gottes vergebende Liebe – ER sagt JA zu mir und zu jedem von uns. Sollte Gottes Liebe uns nicht ermöglichen, auch uns selbst zu bejahen?!
Diese Liebe ist es, die Nächstenliebe erst wirklich ermöglicht. Wenn ich mich selbst liebe, bin ich erst wirklich frei für den Nächsten. Ich kann von meiner Liebe weiter schenken. Dankbar wird es mein Nächster annehmen können. Ohne sich Gedanken machen zu müssen, ob man vielleicht zu einer Last wird.

Also, machen wir es den Kirschblüten nach: öffnen wir uns für die schöpferische Liebe Gottes. Versuchen wir uns jeden Tag ein Stück mehr anzunehmen und schenken die Liebe Gottes weiter, um so unsere Welt ein wenig heller zu machen, wie die Kirschblüten im Winter.

J. Fiswick (Gemeindereferentin)