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Der Obstbaum, der kein Obst bringt

Der Obstbaum, der kein Obst bringt

Der Obstbaum, der kein Obst bringt
wird unfruchtbar gescholten.
Wer untersucht den Boden?

Der Ast, der zusammenbricht
wird faul gescholten,
aber hat nicht Schnee auf ihm gelegen?
Bertholt Brecht

Wer von uns hat das nicht auch schon erfahren, dass er oder sie zu Unrecht für etwas verurteilt wurde! Und wenn wir uns selbst an die Nase tippen – suchen wir die Ursachen für einen Missstand nicht auch zuerst einmal bei den anderen?

Da gibt es das Paar, bei denen sie immer wieder seine Sachen hinter her räumt und er regt sich zum x-ten Mal darüber auf, dass sie zu viel tut und dann kaputt ist.
Da gibt es den Vorgesetzten, der vom kranken Kollegen weiß und sich wiedeholt vornimmt, dass er ihn besuchen müsste. Der Schüler weiß, dass er eigentlich hätte lernen müssen, und doch ist der Lehrer an den schlechten Noten schuld. Da ist die Nachbarin, die über die anderen schwatzt. Und … sie können diese Liste selbst fortsetzen,
liebe Leserinnen und Leser.

Muss man nicht erst betrachten und sich dann besinnen, bevor man überhaupt ein Urteil fällt! Im Lukasevangelium des Neuen Testamentes erzählt Jesus ein sehr ähnliches Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.
Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

Liebe Leserinnen und Leser, es ist Erntezeit.
Mit diesem Gleichnis möchte ich Sie einladen, bei sich selbst zu ernten.
Betrachten Sie Ihr Leben! Wo trägt ihr Schaffen Früchte? Sicher ist auch einiges verdorrt! Gibt es Bereiche in Ihrem Leben, die sie wieder beleben möchten? Wie wäre es mit einer Karte aus dem Urlaub? Einem Treffen, das sie schon lange hinaus geschoben haben?

Der Besitzer des Weinberges hat schon drei Jahre vergeblich gewartet? Warten sie auch? Oder sind sie eher der Weingärtner, der seine Aufgabe im Handeln sieht.
Wie auch immer – bleiben sie nicht oberflächlich, indem sie vorschnell urteilen. Auf ihr Urteil kommt es eigentlich gar nicht an. Wichtig ist, was herauskommt, ihre Ernte.
Viel Erfolg wünscht ihnen