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Der andere barmherzige Samariter

Der bessere barmherzige Samariter



Da ging der Samariter ein zweites Mal nach Jericho, fand einen zweiten Verwundeten, las ein zweites Mal auf. Ging ein drittes, viertes Mal, ein fünftes Mal den gleichen Weg und fand jedes Mal einen Verwundeten. Er ging hundertmal und fand hundertmal.
Ging tausendmal und fand tausendmal …
Und immer an der gleichen Stelle.
Als er zum 2333. Male von Jerusalem nach Jericho ging, dachte er bei sich: Es liegt bestimmt wieder einer da … und stolperte darüber …, holte dann wie üblich, den üblichen Vorrat aus der Satteltasche und begann mit üblicher Sorge, diesen neuesten, 2333. Verwundeten übungsgemäß zu salben und zu wickeln. Um ihn abschließend – weil Übung macht den Meister – mit einem einzigen Ruck auf den Esel zu verladen…, der auch sofort davonlief, in die übliche Richtung auf die Herberge. Und dort auch richtig ankam, der Esel mit dem Verwundeten … diesmal bloß zu zweit, ohne den Samariter. Der war nämlich in der Wüste geblieben, um dort zunächst einmal ein Räubernest auszuspionieren. …
Als er über seinen 2333. Verwundeten stolperte, war ihm nämlich plötzlich eine Erleuchtung gekommen: dass es eine bessere Qualität von Barmherzigkeit sei, sich vorsorglich und zwar resolut, mit dem Räubernest zu befassen, statt nachträglich Heftpflaster auszuteilen … Er merkte sich das Rezept. Und von da ab, mit immer weniger Arbeit, ein immer besserer und noch besserer Samariter …
(von Ernst Schnydrig)

Seien Sie barmherzig zu sich selbst und gehen Sie einen Schritt weiter! Viele von Ihnen kennen sicher den Schrifttext aus dem Lukasevangelium (Lukas 10,30-35).
Dieses Gleichnis Jesu geht auf die Erfahrungen von Menschen der Zeit Jesu zurück, und auch wir kennen die Berichte der Medien über Raub, Gewalt und Unrecht, in unserer Zeit und unserem Land.
Ich möchte Sie jedoch einladen, die obige Geschichte, die Zuspitzung des barmherzigen Samariters, auf sich selbst, auf Ihr Innerstes zu richten.
Wir sind Menschen aus Fleisch und Geist, belebt von der Seele. Sie bilden ein Dreigestirn, die im Gleichklang zueinander stehen. Ist dieses Gleichgewicht gestört, fühlen wir uns nicht wohl, ja werden wir, wenn der Zustand länger anhält, krank. Die Faktoren, die uns aus der Ruhe bringen, nenne ich Räuber. Unsere inneren Räuber kennen wir recht gut, wenn Sie einmal in sich hinein schauen mögen!
Der Samariter zieht los und versorgt die Verwundeten, immer wieder liest er sie auf und hilft. Wenn nun unser Körper solang gestört war, dass er nach Hilfe rief oder gar zusammen brach, dann versuchen die meisten von uns etwas zurück zu schrauben: mehr Ruhe, Sport oder Spazieren gehen, regelmäßiges Essen, Nachtruhe halten, … finden Sie Ihre eigene Liste!
Aber – irgendwann schleicht sich alles wieder ein – bis zum Nächsten „Raubüberfall“, und wieder und wieder, 2333. Mal und mehr noch. Eine bessere Qualität ist es doch, das Räubernest gleich auszuspionieren, anstatt Heftpflaster zu verteilen.
Für die kommende Fastenzeit möchte ich Sie einladen, Ihren Räubernestern auf die Spur zu kommen.

Ihre Gemeindereferentin J. Fiswick