Angehäuft
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.
Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? Lukasevangelium 12,16-20
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
eigentlich ist die Reaktion des Mannes doch ganz normal. Er hat eine überreiche Ernte und um sie lagern zu können muss er ausbauen. Verständlich ist seine Freude über die gute Ernte und über seinen Wohlstand. Vernünftiger Weise will er einen Vorrat anlegen, um in schlechteren Zeiten eine Rücklage zu haben und um sich des Lebens zu erfreuen.
Vor kurzem hörte eine Reportage im Radio zum Weltspartag.
Ist Sparen in? Meiner Generation und den jüngeren wird zur staatlichen Rente die Riesterrente, also eine staatlich geförderte Privatrente, angeraten. Zurück legen für das Alter. Wer Arbeit hat, kann und soll von seinem Wohlstand für das eigene Alter vorsorgen, das ist gut und vernünftig. Die älteren Menschen unter uns lebten immer schon sparsamer als wir es heute tun. Der Konsum hat unvergleichlich zugenommen.
Und bei all dem bleibt die Frage genauso wie vor 2000 Jahren:
Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?
Im November feiern wir in vielen Städten und Gemeinden das Fest des Heiligen Martin. Das erste, was den Menschen zu diesem Heiligen einfällt ist, dass er geteilt hat, nämlich seinen Mantel. Durch diese christliche Tugend der Barmherzigkeit ist Martin bekannt geworden wie kein anderer Heiliger.
Wir alle, liebe Leserinnen und Leser, wissen, dass wir auf unserem letzten Weg nichts mitnehmen können. Das eigene Leben zu sichern und für das Alter vorzusorgen ist richtig und hat seine Berechtigung, aber vergessen wir darüber hinaus nicht die, die an unserem Wegrand sitzen und hungern und frieren. Die keine Möglichkeit haben, ihr Leben auf irgendeine Art abzusichern.
Der Evangelist Lukas möchte uns zur Barmherzigkeit aufrufen, denn diese Tugend adelt am Ende auch uns selbst und hilft uns, diesen letzten Weg leichter zu gehen.
Ihre Jacqueline Fiswick (Gemeindereferentin)





